Als ich in Strobl ankomme, hängt der Himmel tief über dem Wolfgangsee. Der Regen hat längst aufgehört, sich Mühe zu geben, freundlich zu wirken. Er fällt gleichmäßig, kühl und ausdauernd auf die Dächer, die Bäume und den stillen See.
Es gibt diesen Moment, kurz bevor man eine Entscheidung trifft. Einen ganz feinen, kaum greifbaren Punkt zwischen Zweifel und Bewegung. Ich glaube, wir verbringen viel Zeit genau dort. Wir überlegen, wägen ab, drehen Gedanken hin und her, als könnten wir auf diese Weise Sicherheit erzeugen. Als gäbe es irgendwann diesen einen klaren Impuls, der uns sagt: Jetzt. Das ist richtig.
/Things that have almost always been/
Cliffs. Tree ferns. Companionship. Sky. The man in the moon. The sentimentality of sunrises and sunsets. Eternal love. Dizzy lust. Abandoned plans. Regret. Cloudless night skies. Full moons. Morning kisses. Fresh fruit. Oceans. Seas. Tides. Rivers. Lakes as still as mirrors. Faces full of friendship. Comedy. Laughter. Stories. Myths. Songs. Hunger. Pleasure. Sex. Death. Faith. Fire. The deep silent goodness of the observing self. The light made brighter by the dark around it. Eye contact. Dancing. Meaningless conversation. Meaningful silence. Sleep. Dreams. Nightmares. Monsters made of shadows. Turtles. Sawfish. The fresh green of wet grass. The bruised purple of clouds at dusk. The wet crash of waves on slow-eroding rocks. The dark slick shine of wet sand. The gasping relief of a thirst quenched. The terrible, tantalising awareness of being alive. The now that for ever is made of. The possibility of hope. The promise of home. (Matt Haig, Notes on a nervous planet)
"Viele von uns kennen auch Zeiterfahrungen der angenehmen Langsamkeit. Im Urlaub beispielsweise wollen wir nicht ständig Zeit gewinnen, sondern verlieren sie, verlieren uns in der Zeit, vielleicht im Spiel, im bloßen Schauen, im kulturellen Genuss, vielleicht in einem anregenden Gespräch...Wir empfinden und dann lebendig und schauen auf die Dinge anders als im Alltag. Der Augenblick, die Qualität, die Tiefe des Erlebten und nicht die Quantität zählt in solchen Momenten." (Aus: Winfried Hille: Slow. Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben)
Es gibt Bücher, die liest man und dann legt man sie wieder weg. Und es gibt Bücher, die begleiten einen hinaus. „Draußen gehen. Inspiration und Gelassenheit im Dialog mit der Natur“ gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.
Unterwegssein – das klingt nach Zügen, die in der Dämmerung abfahren, nach Koffern, die mehr versprechen, als sie tragen können, nach Straßen, die sich ins Ungewisse winden. Doch in Wahrheit ist es weniger ein Ortswechsel als ein Zustand. Ein inneres Flirren. Ein Dazwischen.
Der Weg beginnt unspektakulär. Am Rand von Klagenfurt führen schmale Straßen hinaus aus der Stadt, vorbei an Gärten, Feldern und verstreuten Höfen. Nichts deutet darauf hin, dass dieser Weg seit Jahrhunderten gegangen wird. Er wirkt wie viele Wege in Kärnten: ruhig, ländlich, ein wenig verschlafen. Ich gehe einfach. Schritt für Schritt, wie bei jeder Wanderung.
Der Mariazellerweg führt durch eine auf den ersten Blick unspektakuläre Landschaft. Es ist eine Gegend, durch die man gehen kann, ohne viel darüber nachzudenken. Aber vielleicht ist genau das der Sinn solcher Wege: dass sie den Körper beschäftigen, während der Kopf langsam leer wird. Lange Zeit fühlt sich das Gehen nicht nach Pilgern an. Es ist eher eine Wanderung, eine Strecke zwischen zwei Orten.
Authentizität im Reisen wird oft als Eigenschaft eines Ortes verstanden. Man sucht das „echte“ Viertel, das „ursprüngliche“ Dorf, die Erfahrung abseits der Touristenströme. Doch vielleicht liegt das Echte nicht im Ort, sondern im Verhältnis zwischen Mensch und Welt.
"Ich neige sehr dazu, aus dem Rucksack zu leben und Fransen an den Hosen zu haben", so Hermann Hesse in seinem Buch mit dem Titel "Wanderung". "Lange hat es gedauert, bis sich wusste..., dass ich Nomade bin und nicht Bauer, Sucher und nicht Bewahrer...Der Wanderer ist in vielen Hinsichten ein primitiver Mensch, so wie der Nomade primitiver ist als der Bauer. Die Überwindung der Sesshaftigkeit aber und die Verachtung der Grenzen machen Leute meines Schlages trotzdem zu Wegweisern in die Zukunft."
Wer kennt ihn nicht: Den Ausspruch "Der Weg ist das Ziel", der mittlerweile eher zu einem Werbeslogan für die Autobranche geworden ist. Ursprünglich kommt der Satz aber aus dem Buddhismus bzw. Taoismus, mit dem man zum Ausdruck bringen möchte, wie bedeutungsvoll es ist, sich an ein Ziel ganz langsam und bewusst anzunähern.
Es gibt Tage, an denen nichts geschieht. Kein besonderer Moment, kein Bild, das man teilen würde. Der Tag vergeht, wie Tage eben vergehen: mit einem Aufstehen, einem Gehen, einem kurzen Innehalten am Fenster. Und doch scheint es, als wären gerade diese Tage in unserer Zeit kaum noch vorgesehen.
In den letzten Monaten durfte etwas Neues entstehen: Mein Buch "Wege in die Mitte. Indigene Weisheit und moderne Psychologie im Dialog". Ich beschäftige mich darin mit der Frage, wie es sich anfühlt, im Gleichgewicht zu leben, im Einklang mit mir selbst, den Menschen um mich und dem Leben selbst.
Katherine May hat ein ganz wunderbares Buch mit dem Titel "Überwintern" geschrieben. Es ist eine "Winterweltreise", ein Buch, das voller kluger Ideen steckt und in dem sie zeigt, wie wichtig es ist, sich auch Ruhezeiten und Zeiten des Rückzugs zu gönnen. Neben ihren persönlichen Lebenskrisen berichtet die Autorin auch immer wieder von Exkursionen in die Natur bzw. zu ganz besonderen Orten.
Wenn wir durch einen Wald spazieren, fallen uns oft zuerst die einzelnen Bäume auf – mächtige Eichen, schlanke Buchen oder imposante Fichten. Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell: Kein Baum steht wirklich für sich allein. Unter der Erde verweben sich ihre Wurzeln, über die Luft transportieren sie Signale, und im dichten Kronendach entsteht ein Netzwerk aus Licht, Schatten und Schutz. Waldgemeinschaften sind ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Kooperation, Verbundenheit und Resilienz in der Natur funktionieren – und welche Lehren wir daraus für unser eigenes Leben ziehen können.
Der Winter ist jene rare Jahreszeit, in der die Welt ihren eigenen Widerstand zeigt. Alles wird langsamer, kantiger, ehrlicher. Die Kälte beschneidet die Bewegungen, zwingt zur Aufmerksamkeit, zur Entscheidung: Was ist notwendig, was ist bloß Gewohnheit?
Man sagt, manche Wege führen einfach nur von A nach B. Der Energiepfad „Plätze der Kraft“ bei Ludmannsdorf in Kärnten ist keiner davon. Er ist ein kleines Ritual aus 3–4 Kilometern, das dich aus dem Alltag entlässt und in eine Folge von Orten führt: Aussichtspunkte, kleine Andachtsstätten, Baumgestalten und jene stillen Löcher im Wald, die Menschen seit jeher Kraftplätze nennen. Wer ihn geht, merkt bald, dass die Strecke weniger ein sportliches Ziel ist als ein Gespräch — mit Landschaft, Wetter, Erinnerung und dem eigenen Gleichmut.
Darf ich vorstellen: Meinen "Reiseführer" durch die Rauhnächte, der euch mit auf eine Reise zwischen den Jahren nimmt, in der sich die "Schleier zwischen den Welten lichten. Das Buch ist ein spiritueller Begleiter, als Einladung zur Innenschau, zur Bewusstwerdung und Neuausrichtung.
Darf ich vorstellen: Mein Buch "Lichterglanz & Winterwunder" ist gerade erschienen, in dem 24 Geschichten rund um die magische Zeit des Advents auf euch warten.
Wir fahren durch das Pustertal, vorbei an Wiesen und alten Höfen, bis sich plötzlich eine Ebene öffnet, auf der sich der Antholzer See ausbreitet. Der See ist still, fast ehrfürchtig. Das Wasser glättet die Reflexionen der Berge, die Bäume am Ufer neigen sich sanft – als wollten sie erkennen, wer sich ihnen nähert.
In Opatija riecht die Luft nach Pinienharz und Salzwasser, nach blühenden Hortensien, die aus den Gärten der Hotels ragen. Hier zieht sich die Promenade, die Lungomare, wie ein geduldiger Fluss entlang der Küste. Hinter den Glasfassaden der Belle-Époque-Villen liegen Geschichten von Kurreisenden, Dichtern, Liebenden, deren Namen nur noch die Marmorbänke kennen. Und doch ist Opatija nicht Museum, sondern lebendige Meditation: Schritte auf Steinplatten, ein Hund bellt in der Ferne, Möwen kreisen – und das Meer antwortet in jedem Atemzug.
Rijeka erreicht man über graue Gleise, durch Tunnel, über Brücken und bei der Ankunft merkt man sofort den Geruch von Salz, Diesel, Meer und dass etwas Unausgesprochenes in der Luft liegt, als würde die Stadt fragen: Was suchst du hier?
Schon oft darüber nachgedacht, was Spiritualität für mich bedeutet – nicht im Sinne einer klaren Definition, sondern als eine leise Ahnung, ein inneres Erspüren dessen, was uns verbindet mit dem, was größer ist als wir selbst. Mein Interesse an unterschiedlichen Kulturen und Glaubenssystemen entspringt der Suche nach diesem Gemeinsamen im Vielfältigen. Doch was mich wirklich anspricht, ist eine Spiritualität, die nicht abhebt, sondern verwurzelt bleibt – eine, die nicht im Abstrakten schwebt, sondern im Konkreten des Lebens zuhause ist. Vielleicht ist es genau deshalb, dass ich mich in der Natur so tief zuhause fühle – weil sie eine stille, ehrliche Form des Göttlichen verkörpert, jenseits von Dogmen und Erklärungen.
Es gibt Berge, die nicht beeindrucken wollen. Sie stehen nicht da, um zu herrschen, sondern um still zu werden. Der Falkert ist ein solcher Berg. Kein Monolith, kein mythischer Gigant, eher ein geduldiger Zuhörer im Herzen von Kärnten, der den Menschen, die ihn besuchen, nichts verspricht – und ihnen doch alles gewährt, wenn sie lange genug schweigen.
Stress gilt gemeinhin als Signatur der Gegenwart. Wir hetzen, planen, organisieren, beschleunigen – und kaum dass ein Ziel erreicht ist, öffnet sich das nächste. Doch vielleicht ist Stress mehr als nur die Folge von zu vielen Aufgaben und zu wenig Zeit. Vielleicht ist er das Symptom einer tieferen Leerstelle, die im Alltagslärm verschüttet liegt.
Man ist ja erstaunlich gut darin, Dinge zu vergessen. Ich beispielsweise vergesse Geburtstage und Namen. Ich kann mir nicht merken, wo ich mein Auto abgestellt habe, und ich muss mir Termine notieren, denn sonst sind sie wie Eintagsfliegen - wenn ich sie nicht aufschreibe, dann sind sie so schnell verschwunden, als wären sie aus flüchtigem Nebel gemacht. Was mir allerdings bleibt - unauslöschlich - sind die Urlaubsorte der Kindheit. Diese Orte graben sich ein. Nicht unbedingt mit Details, aber mit Gefühlen. Mit Gerüchen, Geräuschen, einem Licht, das man nie wieder genauso sieht.
Es ist Mittag, als wir den Tagliamento erreichen. Ein silbriges Band, das sich durch Kiesbänke und Schilf bricht, das Licht nur halb zulässt. Wir stehen am Ufer, spüren den Kies unter den Schuhen, der bei jedem Schritt knirscht, und hören das Wasser, das gegen Steine schlägt, unaufhörlich und unbeeindruckt.
Der Fluss wirkt eigenwillig, fast widerspenstig. Er teilt sich in mehrere Arme, die sich wieder vereinen und in seinem Rauschen scheint die Zeit selbst zu wohnen. Radfahrer ziehen vorbei, winken flüchtig, als wollten sie die Ruhe nicht stören. Vögel steigen auf, schreien und verschwinden wieder, und für einen Moment habe ich das Gefühl, der Fluss beobachte mich, registriere meine Schritte, übernimmt sie in seine Strömung.
Die Landschaft wirkt unendlich ruhig, und doch spürt man die Kraft des Flusses in jedem Kiesel, in jedem Wasserwirbel. Gegen Abend wird das Licht weich, die Ströme verlieren ihre Schärfe, alles taucht in ein zartes Grau. Ich gehe noch einmal ans Wasser, berühre es und spüre die Bewegung, die alles zusammenhält.
Man könnte 303 ansehen wie eine Landkarte, auf der keine Straßen verzeichnet sind, sondern nur die Stimmen zweier Reisender. Jule und Jan bewegen sich in einem alten Wohnmobil nach Süden, aber eigentlich reisen sie in den Kontinent des Anderen. Das Lenkrad führt sie durch Wälder, Felder, Tankstellen – und jeder Kilometer legt eine Schicht Selbstschutz ab.
Es ist ein Film, der nicht auf die Pointe zielt, sondern auf das beharrliche Gespräch. Worte werden hier nicht als Information verschickt, sondern wie Muscheln gesammelt, gewendet, ans Ohr gehalten. Über Kapitalismus, Evolution, Moral reden sie, nicht um Recht zu behalten, sondern um eine Form der Nähe zu erfinden, die langsamer wächst als jede Liebe, die man aus Filmen kennt.
Das Schönste an 303 ist vielleicht die Geduld, mit der er den Augenblick betrachtet. Wie bei einer guten Reise weiß man nicht, ob man schon angekommen ist, aber man weiß, dass man aufhören möchte, auf die Uhr zu sehen. Weingartner schenkt uns damit etwas Unmodernes: das Zutrauen, dass in der Langsamkeit das Wesentliche passiert.
Am Ende bleibt der Verdacht, dass nicht die Gespräche die Liebe erzeugen, sondern die Liebe die Gespräche. Und dass jeder Mensch, dem wir zuhören, eine Landschaft ist: weit, überraschend, und manchmal schöner, als wir es uns hätten ausmalen können.
Um es mit offenem Herzen zu sagen: Ich gehöre zu den Menschen, die den Sommer in sich tragen. Diese Jahreszeit ist für mich nicht bloß ein Abschnitt im Kalender, sondern ein Zustand des Seins. Barfuß laufen, ohne Ziel, nur das Gefühl von warmem Boden unter den Füßen – das ist Freiheit. Und dann das Finden eines stillen Fleckchens an einem See, irgendwo zwischen Himmel und Wasser, wo man ein Buch zur Hand nimmt oder einfach den Wolken beim Wandern zusieht – das ist für mich pure Glückseligkeit. Kärnten, mit seiner unermesslichen Zahl an Seen, ist dafür wie geschaffen. Deshalb möchte ich euch einladen, mit mir gemeinsam auf eine Reise zu meinen liebsten Badeplätzen zu gehen.
Wer von Piran zur Mondbucht im Naturpark Strunjan wandert, folgt einem Küstenweg, auf dem sich Meer, Natur und Geschichte leise begegnen – und der dazu einlädt, die Landschaft Schritt für Schritt bewusster wahrzunehmen
In Rovinj braucht man keinen Plan. Man läuft einfach durch die Altstadt und lässt sich treiben, biegt in die engen Gassen ein und sieht den Künstlern bei ihrer Arbeit zu. Überall riecht es nach Lavendel, man kann Mini-Seifen und Trüffelöl kaufen oder einfach staunen, welche Lebensgeschichten sich in den Auslagen häufen. Man balanciert über Kopfsteinpflaster, zieht Spuren, um am Ende des Tages sagen zu können: Da. Immer wieder.
Im Schatten der Karawanken, nur einen Steinwurf vom Wörthersee entfernt, liegt der Europapark - ein Ort, an dem Menschen spazieren, lachen, verweilen. Doch wer sich etwas abseits bewegt, entdeckt dort etwas Ungewöhnliches: Steine, aufgerichtet in Kreisen und Linien, eingraviert mit Zeichen, die älter wirken als die Zeit. Es ist die Geopunktur-Anlage - ein stilles Feld aus Symbolen, das in die Landschaft eingebettet ist wie ein Flüstern in der Dämmerung.
Ich reise im Morgengrauen los, im Frühnebel zeigt sich der Sommer noch sehr zögerlich, aber ich weiß, dass sich das sehr bald ändern wird. Am Bahnhof bietet mir ein junger Bub Chips an, dann verbringe ich einige Stunden am Zugfenster und beobachte die Landschaft, die sich freundlich zeigt und von der keine Imperative ausgehen.
Zugegeben: Das Rad und ich sind nicht die allerbesten Freunde. Meistens steht es im Schuppen und wird im Sommer allerhöchstens zwei- bis dreimal hervorgeholt. Vor einigen Jahren habe ich sogar einmal ein Rad gewonnen und damit ziemlich untrainiert an einem Triathlon teilgenommen. Danach hab ich mir geschworen, nie mehr ein Bike zu besteigen!
"Wir leben auf einem blauen Planeten, der sich um einen Feuerball dreht. Mit einem Mond, der die Meere bewegt. Und du glaubst nicht an Wunder?" (Kristin Funk & Inka Vigh)
Es beginnt wie so oft mit einem Wanderparkplatz. Diese seltsamen Kulissen des Übergangs, an denen der Mensch das Auto abstellt und dafür seine Erwartungen mitnimmt. Der Weg windet sich durch ein Stück kärntnerisches Idyll, das den Eindruck erweckt, es sei extra für eine Versicherungskampagne entworfen worden. Kühle blicken mich an wie Passanten in einem Pariser Straßencafè - freundlich, aber eindeutig in der Rolle des Beobachters. Ich vermute, sie bewerten meine Ausrüstung.
Was ist Heimat? Ein Ort? Ein Gefühl? Eine Erinnerung, die sich nicht festhalten lässt, und doch wie ein stiller Kompass in uns wirkt?
Es gibt Orte, die sprechen nicht in Worten zu uns, sondern in Stille. Diese Orte sind langsam und ganz unaufgeregt im Rhythmus des Werdens gewachsen. Ein solcher Ort ist auch die Natur. Und mehr noch: Sie ist Spiegel und Kraftquelle.
Darf ich vorstellen: Ein Projekt, das schon lange in meiner Schublade schlummerte und nun endlich fertig ist: "Lieber A.! Reisebriefe und Gedankenflüge" - ein poetisches Reisebuch voller zarter Eindrücke und lebendiger Bilder.
Gehen ist möglicherweise der unspektakulärste aller Fortbewegungsakte - und gerade deshalb hat es etwas Würdevolles. Wer geht, bewegt nicht nur seinen Körper von einem Ort zum anderen, sondern erweitert auch den Radius seines Denkens.
Am Rande von Klagenfurt, dort wo sich das Stadtleben langsam in geheimnisvolle Wälder und sanfte Hügellandschaften zurückzieht, ist das Stift Viktring zu finden - ein Ort, an dem Geschichte und Natur eine sehr eindrucksvolle Symbiose eingehen.
"Wenn das Streben nach Glück unser Leben beherrscht, erschließen uns vielleicht nur wenige unserer Handlung soviel über die Dynamik dieser Suche - mit all ihrer Inbrust und ihren Paradoxien - wie die Reisen, die wir unternehmen. In ihnen drückt sich, wie kraus auch immer, eine Vorstellung davon aus, wie das Leben außerhalb dieser Zwänge von Arbeit und Überlebenskampf beschaffen sein sollte. Nur selten jedoch wird bedacht, dass das Reisen philosophische Probleme aufwirft, das heißt Fragen, die über das Praktische hinausgehende Überlegungen erfordern. Wir werden überhäuft mit Ratschlägen, wohin wir reisen, hören aber nur wenig, warum und wie wir reisen sollten - und das, obwohl die Kunst des Reisens naturgemäß verschiedene Fragen aufwirft,die weder simpel noch trivial sind und deren Betrachtung in bescheidenem Maße zum Verstehen dessen beitragen könnte, was griechische Philosophen mit dem schönen Begriff eudaimonia, der Entfaltung der Persönlichkeit, bezeichneten."
Eine meiner liebsten Walkingstrecken ist das Bleistätter Moor, das eigentlich zu jeder Jahreszeit einen ganz besonderen Reiz hat.
Ich bin für ein Wochenende weggefahren. Einfach so. Habe mir ein Biohotel als Domizil ausgesucht.
Der Daberer ist ein Biohotel im Oberen Gailtal. Genauer gesagt in Sankt Daniel. Etwas abgelegen und daher genau das Richtige, um ein paar Tage zu entspannen. Hier entspannt man entweder im kleinen Hallenbad oder auf der schön angelegten Liegewiese mit Blick auf den Kräutergarten der Hausherrin, wunderschön idyllisch ist auch die Waldsauna: Man fühlt sich wie auf einer Alm und kann nach dem Saunieren auf der Terrasse die Seele baumeln lassen. Der Daberer hat auch eine eigene Forellenzucht und einen Naturbadeteich, der zwar seeehr kalt ist, aber ganz romantisch mitten im Wald liegt. Sehr gut auch das Abendessen und das Frühstücksbuffet mit selbstgebackenem Brot und süßen Honigwaben. Am Abend kann man sich dann noch in die Leseecke zurückziehen, in den Büchern und Magazinen schmökern und dazu ein Glas Wein schlürfen. So lässt es sich schon ein paar Tage leben......
Einatmen, ausatmen, mehr ist eigentlich nicht zu tun.
Mit einem Lächeln
M.
Die Natur berührt mich immer wieder aufs Neue. Dort habe ich das Gefühl, eine Zeit lang alles hinter mir lassen zu können und ich erlebe Momente, in denen ich die Kraft der Landschaft spüre. Vor kurzem habe ich den Satz gelesen: "Berge sind Orte, wo die Seele Sehnsucht verspürt" und auch dem kann ich nur beipflichten.
"Nichts gibt es auf der ganzen Welt, das Bestand hätte. Alles fließt."
(Ovid)
Auf der Webseite "Tattva Viveka", einer Zeitschrift für Wissenschaft, Philosophie und spirituelle Kultur, über ein Interview mit Marius E. Hannig gestolpert, in dem er auch über unsere Abgrenzung von der Natur spricht und dazu Folgendes sagt: "Die Natur ist überall um uns herum, im Mikro- wie im Makrokosmos, im Sichtbaren wie im Unsichtbaren. Die Abgrenzung bedeutet in meinem Verständnis die Abgrenzung von den Möglichkeiten der Wahrnehmung, zu der unser Gehirn und unser Körper letztlich in der Lage sind. Dass wir uns darin beschneiden, wie viel wir wahrnehmen, schafft in meinem Verständnis die Abgrenzung zur Natur."
Es ist bereits ziemlich voll, als wir am Parkplatz der Vintgar Schlucht ankommen. Ein Parkwächter macht uns mit Handzeichen darauf aufmerksam, dass alle Plätze besetzt sind und wir fahren zu einer anderen Haltemöglichkeit und anschließend mit dem Shuttle-Bus zum Eingang der Schlucht.
Regnerische oder neblige Tage eignen sich sehr gut dazu, sich von der Natur ansprechen zu lassen. Im Nebel werden wir still, vieles um uns herum bleibt im Verborgenen und wir können uns auf das Wesentliche besinnen. Wir können das wahrnehmen, was die Natur uns anbietet: In diesem Fall können wir uns zum Beispiel auf das Stillwerden einlassen, während wir an sonnigen Tagen die Wärme genießen.
"Sich in der frischen Luft bewegen, sie auf der Haut spüren, sie tief einatmen, stundenlang bei Wind und Wetter, zu allen Jahreszeiten - darin liegt ein wesentlicher Impuls zum Wandern." (Ulrich Grober)